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Lebig Selbsthilfegruppe für Gehirnverletzte in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis 

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Homepage Nr. 534 vom   
19.02.2012   20:30
h

gegründet von
Anne-Kathrin Gentz
und
Klaus Weiser

Tintenkleckse

Stille Nacht! Heil'ge Nacht! Alles schläft, einsam wacht!

Es war der Freitagabend vor dem 4.Advent, also ziemlich genau vor zwei Jahren, es war wie gewöhnlich ein nasskalter Abend um diese Jahresunzeit, so auch in der Großstadt in der Nähe Hauptbahnhofes, in dessen Nähe ich nun seit einem Jahr getrennt von meiner Ehefrau und meinen drei Kindern lebte. Dennoch war es war ein besonderes Wochenende. Die vierzehn Tage waren um und meine Kinder sollten wieder bei mir sein über die ersehnten Stunden von Freitagnachmittag bis Sonntag abends. Der Freund meiner Mutter, Herr Sch. hatte uns zum Essen in eine Gaststätte eingeladen. Die Straßen waren wegen des unfreundlichen Wetters und des drohenden Weihnachtsfestes leer. Bei diesem Wetter schickt man nicht mal einen Hund vor die Tür. Irrtum?

Wider Erwarten finden wir einen Parkplatz fast direkt vor der Gaststätte, wir treten ein und treffen auf eine unerwartet fröhliche, fast ausgelassene Menge Menschen. Ich humpele durch die Stuhlreihen nach Herrn Sch. suchend. Als ein aufmerksames Pärchen uns seinen Tisch anbieted: „Nehmen sie unsern Platz: Es ist sehr voll heute Abend.“ – „Sie wissen, eine Weihnachtsfeier jagt die andere.“ Fügt die Frau sanft lächelnd hinzu. „Wir setzen uns zu anderen. - Da vorne sind noch zwei Plätze frei“. Die Kinder und ich warten, bis die beiden Platz genommen haben. Dann rutschen wir auf die lange schmale Bank, meine Jüngste geschwind als Erste. Dann ich und mein siebenjähriger Sohn. Meine Älteste, damals zehn nimmt auf der anderen Seite des Tisches Platz. Wir wollen dicht beieinandersitzen, haben Papier und Bleistifte dabei, um uns die Zeit bis zum Essen zu vertreiben. Die ersten Striche sind kaum gemacht, als Herr Sch. das Lokal betritt, und sich zu uns setzt. Die Bedienung tritt an den Tisch: Wenn ihr essen wollt, wird es etwas dauern. Die Küche muss erst das Essen für die Gäste einer Weihnachtsfeier zu bereiten. Ihr braucht etwas Geduld.“ Zunächst ordern wir vier Limos und ein Kölsch und überlegen, ob wir das Lokal wechseln sollen. Aber bei diesem Sauwetter wollen die Kleinen nicht mehr vor die Tür – dies ist auch mir sehr recht. Gehen ist für mich eine Qual. Außerdem würden wir an anderer Stelle auf das gleiche Problem stoßen. So bestellen wir bei der nächsten Runde ein Bier, 4 Limonaden und 5 Schnitzel mit Pommes und natürlich mit Mayo und Ketchup. Weitere Limonaden lassen die Zeit des Wartens angenehm verstreichen. Das Papier wird langsam knapp – die Malwerkstatt produziert wie am Fließband. „Wir brauchen noch Geschenke für Tanten und Onkel … Irgendwann müssen nicht nur meine Kleinen, sondern auch ich Platz für weitere Limos schaffen. Ich winde mich von der Bank dem Gang entgegen und werfe fast den Tisch um. Schließlich stehe ich doch fest auf meinen eigenen Füßen und wanke der Toilette entgegen, um mit der Schwingtüre des Vorraumes erfolgreich zu kämpfen. Erleichtert trete ich kurz später wieder in diesen Vorraum und nehme mehr aus einem Augenwinkel, eine Dame war, die scheinbar zufällig auf jemanden wartet. Einhändig nehme ich den Kampf mit der Schwingtüre auf, da erschallt eine donnernde Stimme hinter mir: „Hören Sie mal, sie sollten nicht so viel trinken, wenn Sie Kinder dabei haben!“ Ich spüre die aufkeimende Wut in mir, will mich beherrschen, drehe mich um, schaue in das Gesicht einer Frau, deren Typ ich überhaupt nicht mag. Lodenkostüm mit rotem Revers, dicke Hornbrille, bis zur Unkenntlichkeit geschminkt, dazu ein Jägerhut mit wippender Pfauenfeder. In mir brodelt es, aber noch gelassen entgegne ich: Werte Frau ich habe nichts getrunken außer einigen Gläser Limonade.“ Weiter komme ich nicht, sie unterbricht mich unwirsch: Sie können mir viel erzählen! Sie sollten sich mal gehen sehen.“ Ich falle ihr ins Wort. „Danke, ich weiß selbst, mein Gang erinnert wenig an Tschaikowskis Schwanensee. Aber vermögen Sie sich vorzustellen, mein schwankender Gang könnte eine andere Ursache haben außer Alkohol? Darf ich Ihnen meinen Schwerbehindertenausweis zeigen?“ Mit wild hüpfender Feder würgt Sie mich ab und schleudert mir beleidigende Worte entgegen. Jetzt reicht es mir. Ich frage sie, ob ihr Mann Blockwart oder Hauswart war, dies bringt sie völlig aus der Fassung. Sie schwingt ihre Handtasche wie eine Schleuder und trifft mich wiederholt. Ausweichen kann ich diesen Attacken nicht, nur schützend meinen rechten Arm vor mein Gesicht und über meinen Kopf halten. Rettung naht aus der Herrentoilette. Zwei Gäste stellen sich zwischen mich und die Furie. Wortlos gehe ich zu meinen Kindern zurück, die bereits die Pommes in die Mayo stippen.

 Nach dem Essen wollen wir alle sofort nach Hause. Auch ohne Alkohol, ich hätte fahren können, ziehe ich den Fußweg vor. Ich will den Kindern, die Krippe im Schaufenster der kleinen Pizzeria zeigen, an der wir vorbei müssen. Wir haben bereits ein kleines Stück des Weges zurückgelegt, als die Kleinste bemerkt, dass sie ihr Schlummerkissen im Auto vergessen hat. Ohne dies geht nichts. Also läuft sie zum Auto zurück. Frierend warten wir auf ihre Rückkehr, als ich zwei Frauen bemerke, die scheinbar gelangweilt die Auslagen in einem Schaufenster betrachten, uns aber dennoch aufmerksam, möglichst unauffällig beobachten. Mir wäre nichts weiter aufgefallen, wäre das Schaufenster nicht wegen Geschäftsaufgabe gähnend leer gewesen. Dann können wir weiter und erreichen die Pizzeria. Meine Pänz drücken sich die Nasen an der Schaufensterscheibe platt, die beiden Frauen versuchen sich in einem Hauseingang zu verstecken, dies entgeht mir aber nicht. Ich dränge zum Aufbruch, kann mir ihr Verhalten nicht erklären, bin gewarnt und beunruhigt. Wir wechseln auf die andere Straßenseite, passieren das Trümmergrundstück, das als wilder Parkplatz genutzt wird, als uns die beiden Frauen einholen. Eine tritt vor mich und versperrt mir den Weg. Die andere stellt sich neben mich und fragt scheinbar beiläufig: „Können Sie mir bitte sagen, wie spät es ist?“ „Kann ich leider nicht, ich trage keine Uhr mehr, für mich ist es gleichgültig, ob es fünf vor zwölf oder nach zwölf ist, aber auf mein Handy könnte ich sehen. Nur ich weiß nicht, wie verlässlich die Zeitangabe ist. Es wird in wenigen Augenblicken zehn sein.“ „Papa, lass uns endlich gehen! Ich bin müde und mich friert es.“ meine Kleinste zerrt an meinem Arm. Artig bedankt sich die Dame und eilt mit der anderen davon. Hätten die beiden nicht versucht, sich hinter einem Lieferwagen in der langen Bahnunterführung zu verstecken, ich wäre erleichtert gewesen. So aber versuche ich, den Aufbruch zu verzögern. Erwarte sehnlichst einen anderen Passanten, statt dessen kommt ein silbergrauer BMW Kombi mit dem einem hiesigen Kennzeichen verdächtig langsam um die Ecke, fährt auf meiner Höhe noch langsamer, hält schließlich ein paar Meter vor mir und setzt zurück. Das hintere Fenster wird heruntergelassen, ein Hundekopf streckt sich mir entgegen, tief die Luft einsaugend. Ich habe verstanden, schiebe den ganzen Arm in den Wagen. Drogenfahndung! Gelangweilt legt sich der Hund sich auf die Rückbank und blinzelt mich fast liebevoll aus einem Auge an. Das vordere Fenster wird heruntergelassen, das Hintere geschlossen.  Der Fahrer erkundigt sich nach einem Hotel, das genau drei Häuser neben meiner Wohnung liegt – keine gute Adresse – ein Bordell, ich erkläre ihm genau den Weg, gleich nach der Unterführung die erste Straße links, dann das vierte Haus auf der linken Seite, das mit der weißen Leuchtreklame. Freundlich bedankt sich der Fahrer, fährt langsam davon, hält aber bei dem Lieferwagen und die beiden Damen steigen zu, dann biegt er um die Ecke, die Kinder nehmen mich in den Arm und weiter geht es. Vor dem Hotel steht verlassen der silbergraue Wagen, nur der Hund döst auf der Rückwand. Selbst als die Kinder, von diesem Anblick verzückt an die Scheibe klopfen, öffnet der Möp nur müde ein Auge. Wir gehen die letzten Meter gemeinsam zum Haus, Herr S., der das Haus verlassen will, hält uns die Türe auf „Ach, schön. Ihre Kinder sind wieder bei Ihnen. Dann ein Frohes und Glückliches.“ „Ja, wünsche ich Ihnen auch. Ich gebe meinen Kindern den Schlüssel, sie bewältigen die Treppe schneller als ich. Als ich das erste Treppenpodest erreiche, dringt Blaulicht herein. Ohne Argwohn nehme ich die letzten Stufen. Die Kleinen sind bereits ausgezogen und liegen im Bett. Kinder, ich möchte noch ein Glas Rotwein in der Küche trinken und darüber nachdenken, was wir gerade erlebt haben.“ Der Wein schimmert blutrot im Glas, als die Schelle erbebt. Ich humple zur Türe, mein Sohn will schon öffnen, als ich durch die Glastüre drei Schatten erblicke. „0. Geh bitte sofort ins Bett, ich öffne lieber selbst, die Situation gefällt mir nicht.“ Widerwillig huscht er davon. Ich schaue in das Gesicht von drei Jägermeistern.“Guten Abend Herr K.“ Er hat wohl den Namen vom Klingeltaster abgelesen. „Das ist noch der Name meines Vormieters, ich habe ihn nicht ausgewechselt, ich bin halbseitig gelähmt „Das wissen wir!“ „Und mit einer Hand kann ich dies nicht. Außerdem erhalte ich keinen Besuch.“ „Wir kennen ihren richtigen Namen! So, ein falscher Name an der Türe!“ „Schon, aber gibt es ein Gesetz zur Beschriftung von Klingeltastern? - Aber bitte kommen Sie doch herein. Mir ist es unangenehm, solche Gespräche im Treppenhaus zu führen.“ Das dürfen wir nicht.“ Auch nicht, wenn ich höflich darum bitte.“ Die drei Förster treten zögernd ein. „Warum sind sie eigentlich zu mir gekommen?“ „Herr W., Sie sind eben auf der Straße mit drei kleinen Kindern gesehen worden, ein wachsamer Bürger hat uns informiert.“ „Natürlich - dachte ich mir bereits! Ich bin Vater, von drei Kindern, lebe von meiner Frau getrennt, alle 14 Tage sind sie bei mir, so wie heute.“ Die Kleinen stehen wie die Orgelpfeifen im Flur. Können wir bitte in die Küche gehen. Ich muss mich setzen.“ „Mensch, bei Ihnen ist es ja sauber!“ „Bitte entschuldigen Sie, aber muss ich als Behinderter im Dreck leben?“ Ich setze mich umständlich an den Küchentisch „Können Sie sich ausweisen?“ „Ich mich schon aber meine Kinder nicht“. Ich krame diverse Ausweispapiere hervor.“ Ich schlage vor, sie gehen ohne mich hinüber ins Schlafzimmer zu meinen Kindern und befragen sie. „Dann werden sie sehen, sie sind auf dem falschen Dampfer. Natürlich dürfen sie alle Schränke, Schubladen öffnen, wenn es der Wahrheitsfindung dienlich ist. Mir ist nur daran gelegen, jeden Verdacht zu zerstreuen. Ich will meine Ruhe - mehr nicht.“ Zwei der Förster gehen hinüber ins Schlafzimmer, der Dritte blättert in seinem Notizbuch: „Herr W. sie sind verheiratet seit …, sie leben getrennt von Ihrer Frau seit …, sie hatten einen Schlaganfall im Jahr … Wann ist ihre Frau geboren?“ Darüber kommen seine beiden Kollegen zurück in die Küche- „Komm, Hein. Hier ist alles in Ordnung!“ „Tut mir leid, ihr Geburtsdatum weiß ich nicht, will mich auch nicht zu erinnern versuchen. Ich habe sie aus meinem Leben gestrichen, auch wenn wir noch verheiratet sind. Bitte akzeptieren sie dies einfach – über Beweggründe mag ich nicht sprechen, dies gehört auch nicht hierhin.“ Ungläubig schaut er mich an, Ein Kollege erfasst die Situation. „Du Hein, Du lebst doch auch getrennt. Wann eigentlich ist Deine Frau geboren?“ Keine Antwort. „Gut, dann gehen wir wieder! Es scheint alles in Ordnung zu sein“ „Nein, nicht so schnell, mir ist gerade eingefallen, wie ich mich als Vater ausweisen kann. Ich habe die Geburtsurkunden. Gehen wir hinüber und holen Sie mir den blauen Ordner aus dem Regal, so hoch kann ich nicht greifen.“ „Na gut, wenn Sie es wünschen.“ Fast gelangweilt betrachten sie die Urkunden, mein Sohn hat sich von hinten herangeschlichen und schmiegt sich an mich: „Papa, meinst Du, ich darf fragen, … Er flüstert mir seinen Wunsch ins Ohr. „Sagen Sie, würden Sie meinem Sohn mal ihre Pistole zeigen.“ Ohne zu zögern, nimmt er die Pistole aus der schwarzen Ledertasche, entfernt das Magazin, überprüft, ob auch wirklich keine Patrone mehr im Lauf steckt, und reicht sie O. Bumm, bumm, bumm … Die Berufswahl meines Sohnes hat sich verändert. Vorbei, der Lokomotivführer war gestern. O. gibt die Pistole zurück, noch schießend läuft er mit hochrotem Kopf zurück ins Schlafzimmer. Ich höre ein Freundliches: „Na, dann Frohe Weihnachten …“ „Mir würde eine stille Nacht vollauf genügen, zumal wenn die wachsamen Bürger unter dem eigenen Baum singen.. Trotzdem dies wünsche ich Ihnen auch. Eine Bitte noch, sie haben sich überzeugen können, bei mir ist alles in Ordnung. Deshalb, wenn Sie Ihr Weg wieder zu mir führt, kommen sie bitte ohne Blaulicht. Man nennt mich hier den Hund, weil ich morgens meine eigene Zeitung im Mund apportiere. Ich brauche die Hilfe meiner Mitmenschen, um überleben zu können. Wenn sie auffällig anrücken, verscheuchen Sie die Hilfsbereiten. Bitte nicht mehr mit Blaulicht. Weglaufen kann ich eh nicht, ich bin gehbehindert“ „Ok, wir werden sehen, was sich machen lässt. Frohes Fest.“ „Nein stille Nacht - und ein Frohes Neues Jahr!                    HB 13.12.08

Diese Geschichte beruht auf wahren Gegebenheiten. Bereits vor zwei Jahren schrieb ich sie unmittelbar nach dem Erleben nieder, als ich sie nun wieder las, stellte ich, nicht ohne Verwunderung fest, dass sich meine Wertung dem Erlebten gegenüber erheblich verändert hat. Ich kann heute besser Verständnis für die andere Seite aufbringen. Behinderung hat sehr viele Seiten, nicht nur die, der sie tragen muss. Ich möchte mit meiner wahren Geschichte, Betroffene und Nichtbetroffene lediglich zum Nachdenken anregen. Je nachdem welche Perspektive der Hauptpersonen man annimmt, erhält das Geschriebene eine völlig andere Aussage. Ich will keine Gräben auswerfen, sondern im Gegenteil um Verständnis füreinander werben. Wir leben alle zusammen im gleichen Land, in den gleichen Städten, im gleichen Haus, sind mitunter Nachbarn, gehören der gleichen Familie an, sind Lebensabschnittspartner. Als jemand, der die 68ziger nicht nur aus Erzählungen kennt, möchte ich bemerken, die Bezeichnung Förster für einen Polizisten, hat für mich absolut nichts Ehrschmälenderes. Ich habe damals auf mancher Demo im Rheinland, zusammen mit einem Bullen eine Zigarette raucht, das Butterbrot mit ihm geteilt. Auch habe ich hören müssen, „Wenn ich Dein Vater wäre, dann …“ ich möchte ausdrücklich betonen: Das Verhalten der Polizisten in meiner Geschichte habe ich zu jedem Zeitpunkt als korrekt und höflich empfunden. Heute begreife ich, der Fehler lag höchstens in der Person, die die Zivilstreife auf mich ansetzte und bei der Zivilstreife selbst, es waren immerhin drei Personen (die beiden Beamtinnen und der Fahrer des silbergrauen BMW. Es gab aus meiner Sicht hinreichend Indizien, zu erkennen, dass von mir keine Gefahr für meine eigenen Kinder ausging. Die Förster standen nur noch am Ende einer unglückseligen Befehlskette. Mich würde heute lediglich interessieren, mit welchen Gedanken und Gefühlen sie damals meine Wohnung verließen. Vielleicht liest einer von Ihnen diese Geschichte und antwortet mir. Ich würde mich sehr freuen.

Übrigens diese Geschichte hat eine Fortsetzung, diese werde ich bald erzählen. Seid gespannt.

Das Einzige was mich mit tiefer Angst erfüllt, was die Förster alles über mich in so kurzer Zeit in Erfahrung bringen konnten. Ich bin kein Mörder, kein Sexualstraftäter … Dennoch standen ihnen intime Daten zu meiner Person innerhalb von Minuten zur Verfügung.
Bert 09 01 12

Ey, haste mal ´nen €uro für ´nen Behinderten?

Frühsommer 2008. „So, jetzt noch mal auf dem Fahrplan nachsehen, doch ich müsste pünktlich sein ...“

Ach, jetzt auch noch meine Intelligenzprothese aus der Tasche fischen, da bereits Gottfried Keller beschrieb, wie Kleider Leute machen.

Diese Weisheit beherzigte ich nach meinem zusätzlichen Trauma während meines Unfalles - Traumas in der Frührehabilitation. Nachdem mein damaliger Partner mich wissen lies, dass ich jeden Mitmenschen mit meinen Narben sehr belasten würde.

Von dem Zeitpunkt an schlangen sich Tücher um meinen Hals, ähnlich der „Giraffenhalsmädchen“ aus Nord-Thailand.

Nur ja nicht anders und auffälliger sein als der „gesunde Rest“ meiner Mitbürgerinnen in Bonn! Nach beharrlichem Training ziehe ich kein Bein mehr nach, nur während des Treppen herab steigen´s, falle ich noch durch meine bedächtig gewählten Schritte im Menschenpulk auf.

Nun sehend, verriet mir mein aushängender Reiseplan, dass ich mich rechtzeitig am rechten Ort befand.

Schlurfend, hinkend, näherte sich jemand von der gegenüberliegenden Tafelseite und lies, da ein direktes vis-à-vis nicht möglich, eine durchdringende, schnodderige Bitte vernehmen: Ey, haste mal ´nen €uro für ´nen Behinderten?

 

In mir tobte ein Emotionschaos! Behindert? – hm, aber ich doch auch! Ich erhalte noch nicht einmal Rente, sondern lebe noch von meinem Verletztengeld! Aber, dieser Mensch steht auf einer Augenhöhe mit Dir! Ich habe noch nicht einmal Geld, für einen Kakao nach meinem anvisierten Trip zum Selbsthilfegruppentreff. Nur den ausgezählten Fahrschein für die Rückfahrt!

 

Kleinlaut sprach ich: „Ich bin auch behindert.“

 

Höhnend witzelte er sarkastisch: „Klar, das sehe ich!“ und wandte sich, vor sich hinsprechend ab.

 

In mir brachen alle Dämme und mein Zug fuhr ein.

Im Wagon sitzend, kam ich Minuten später immer noch nicht zur Ruhe.

 

Seine Worte: “Klar, das sehe ich!“ halten und echoten in mir.

 

Genau dafür trainierte, arbeitete ich mit meinen Therapeuten Stunde um Stunde, während der Behandlungszeiten. All die Minuten, vielmehr Stunden in Eigenregie, nie mitgezählt!

Ich wollte doch nicht, dass jemand mir meine Behinderung ansah!!!

Was denn nun???

Mein Hamsterrad!                                                                                       aKG 08 12 14 1

 

    • Ein Besuch beim Einwohnermeldeamt 09 03 10 1
    • oder
    • Ene Besuch beim Einwohnermeldeamt
    • oder
  • Alles bio oder was?

 zunächst die Version von Horst Mys:

Ene Besuch beim Einwohnermeldeamt, oh, oh, oh, oh,

    • Nä wat is dat schön, nä, wat es dat schön.
    • Ene Besuch beim Einwohnermeldeamt, oh, oh, oh, oh,
       
  • Dat es esu schön, dat es wunderschön!

Jetzt meine Version:

Alle Jahre wieder - der Reisepass ist abgelaufen. Ich hatte gehört, er kann nicht mehr verlängert werden, wegen der Erfassung von biometrischen Daten. Bio? Ich habe wahrlich andere Probleme! Aldi, Lidl und andere Discounter kann ich mir gerade leisten. Hin und wieder erlaube ich mir auch ein Bioei, weil mir das Federvieh leidtut – nur deshalb. Sonst nur an hohen Feiertagen, wie Weiberfastnacht und am Tag der Arbeit!

Also brauchte ich ein Passfoto. Das Letzte musste erst vor ein paar Tagen für die Verlängerung meines personenbezogenen Behindertenparklatzes Das Letzte dran glauben (auch alle Jahre wieder – Ich habe ständig Weihnachten, dauernd erlebe ich Überraschungen. Und was für welche!). Ich hätte damals in der Schule niemals gedacht niemals daran gedacht, dass Heinrich Bölls Kurgeschichte, jemals Alltag für mich hätte werden können. Damals bei Heinz-Dieter im Deutschunterricht gefiel mir die Geschichte noch. Wir hätten besser abgestimmt und aus Micky Mouse die Geschichten mit Onkel Dagobert gelesen.

Das logistische Problem, wo kann ich ein Passfoto machen lassen, wo kann ich in der Nähe parken, wann regnet es nicht, löste sich schnell. Da ich öfters im Kölner Hauptbahnhof unterwegs bin, erinnerte ich mich an den Passbildautomaten gleich hinter dem Eingang Breslauerplatz. Außerdem gab es dort zwei Behinder- tenparkplätze, die gelegentlich frei waren, wenn nicht mal gerade ein Polizeiauto drauf parkte, wie beim Besuch des Papstes in Köln oder während der Fußball-WM vor ein paar Jahren. Es war ein ganz normaler Montag, trocken, kein Papst und kein Fußball – also nix wie hin. Trotz der gewaltigen, scheinbar endlosen Umbauarbeiten auf der Rückseite des Bahnhofs gab es zumindest noch einen Behindertenplatz- und der war auch noch frei! Auch den Passbildautomaten fand ich an vertrauter Stelle. In Betrieb war er auch. Ich setze mich auf den Hocker und studiere die Betriebsanleitung auf dem Bildschirm. Vor mir musste ein Riese in der Kabine gewesen sein. Mit Mühe konnte ich meine Haarspitzen am unteren Rand der spiegelnden Glasfläche erkennen, in deren Mitte sich meine Nase befinden sollte. Also drehe ich den festmontierten Klavierhocker in die Höhe. Nein das reichte noch nicht. Wieder aufgestanden und weitergedreht, erneute negative Sitz- probe. Gut dann zum dritten Mal. Plötzlich halte ich die Sitzfläche nebst Spindel in der Hand. Ich brassele über Minuten hinweg, um die Konstruktion wieder zusammenzubauen. Ein wahres Geduldsspiel. Ich habe nur eine funktionsfähige Hand. Aber schließlich gelangt es. Mit stolzgeschwellter Brust ließ ich mich auf dem Hocker nieder und starre auf die Glasscheibe, hinter sich das Objektiv der Camera obscura verbergen muss. Langsam erstarrte mein Fotogrinsen zu einer versteinerten Grimasse, denn nichts passierte. Kein Blitz, kein Vögelchen. Geld eingeworfen hatte ich doch! Warum ging es nicht weiter? Ich entdecke eine Leucht- anzeige unterhalb der Scheibe auf Kniehöhe. Hier war zu lesen, wie ich mich darzustellen hatte, damit das Lichtbild den Anforderungen entsprach. Beide Augen mussten sich genau auf Höhe einer Markierung be- finden. Kann bitte mal einer kontrollieren. Plötzlich erscheinen Zahlen, deren Werte sich rasend schnell der Null näherten. Dann plötzlich die Nachricht: „Ihr Foto wird jetzt entwickelt - in fünf Minuten können Sie es draußen entnehmen“. Mühsam erhob ich mich von dem Drehhocker mit der Angst, er könnte wieder zusam menbrechen, Vorhang auf und nichts wie raus. Dann fiel etwas aus dem Automaten in einen Auffangkorb, der sich auf Fußleistenhöhe befand, unerreichbar tief für mich. Eine vorbeieilende Dame erkannte meine missliche Situation und übergab mir den Bogen. Ich arbeitete zwar nicht auf dem Einwohnermeldeamt, erkannte aber sofort, die konnten es nicht sein. Denn statt in die Kamera schaute ich mit gesenkten Augen devot nach unten, war wohl damit beschäftigt gewesen, die Leuchtanzeige zu lesen. Außerdem fehlt der obere Teil meines Kopfes, mit meinem Resthaar. Pech, dann eben die ganze Prozedur noch mal! Da ich den Geldeinwurfschlitz im Sitzen nicht erreichen konnte, fütterte ich den Automaten sofort, schon vor Betreten der Kabine. Ich wusste ja jetzt, wie es ging! - Wie es hätte gehen sollen! Halt, Du musst den Hocker hinunterdrehen. Behutsam wie nach einem rohen Ei griff ich nach der S Sitzfläche und drehe sie hinunter. Es funktionierte. Mit Bedacht nahm ich wieder auf dem Hocker Platz. Wenn ich mich zur Seite neigte, übernahm die Glasscheibe die Funktion eines Spiegels. Kein Wunder, ich vergaß, den Vorhang zuzuziehen. Du Trottel! Ratsch … geschafft! Jetzt wieder die Nummer mit dem Kaninchen vor der Schlange. Grinsen nicht vergessen! Bloß nicht auf die Leuchtanzeige achten!

Nach reichlich drei Minuten ohne Vögelchen riskierte ich doch einen Blick. „Sie können ihr Foto jetzt draußen entnehmen …“ Mit unheilsvoller Erwartung wand ich mich in die Höhe. Richtig, eine Maschine lügt nie!“ Dies konnten nicht meine Passfotos sein. Der Kerl hat keinen Kopf! Aber ohne Zweifel er trägt meinen Mantel, unschwer an dem roten Sticker „Jeder  Jeck ist anders „ auszumachen. Wie kam der nur an die Weste meines Anzugs? Diebstahl, Polizei, Hilfe! Mitnichten. Ich war wohl gerade dabei gewesen, den Vor- hang zu schließen; als das Vögelchen vorbeikam. So ein Mist! – So ein verdammter! Ich kann doch nicht meine komplette Rente, die eines Erwerbsunfähigen mit der Kiste durchbringen! Zudem Münzgeld hatte ich auch nicht mehr, na gut Zigaretten brauchte ich auch, obschon ich hier nicht rauchen durfte. Ich humpelte zum nächsten Zigarettengeschäft und erstand das Objekt meiner Begierde (Sucht) und passendes Münzgeld gab es dazu. Zurück zum Automaten. Jetzt aber! Dreimal ist göttlich! In Erwartung meiner baldigen Zahlungsunfähigkeit ging ich dieses Mal extrem geplant, generalstabsmäßig vor. Zuerst den Hocker auf die als passend eingeschätzte Höhe eingestellt, dann Vorhang zu. Einstellungen im Spiegel kontrolliert, auf- gestanden, Geld eingeworfen und auf das Vögelchen gewartet. „Diesmal klappt es bestimmt!“ Ich machte noch zwei Trockenübungen ohne Geldeinwurf. Draußen schimpfte eine sonore, ungeduldige Männerstimme: „Werden Sie heute noch fertig oder wollen Sie da drin sterben?“ „Nichts bringt mich heute mehr aus der Fassung“, sagte ich zu mir selbst. Ich schob meinen Kopf durch den Spalt zwischen Vorhang und Kabinen- wand nach draußen, ähnlich einer Schildkröte, die unter ihrem Panzer hervorlugt. „Nein absolut nicht, werter Herr! Außerdem – eine Sterbeurkunde gibt es auch ohne Passfoto! – Wenn es anders ist, dann wissen Sie mehr als ich! Bitte gedulden Sie sich noch einen Augenblick, ich bin behindert, da geht manches nicht so schnell!“ „Aach so! Das konnte ich doch nicht wissen!“ „Ist schon in Ordnung, Sie müssen sich nicht entschuldigen, dies konnten sie wirklich nicht wissen. Denn ich trage schließlich kein äußeres Erkennungs- merkmal – Sie wissen schon, was ich meine. Die Zeiten sind hoffentlich für immer vorbei. Aber lassen Sie uns nicht disputieren, sonst geht es nie weiter.“ Zurück auf den Hocker, grinsen und warten auf das Vöge- chen. Bitte jetzt nicht! Mit einem Auge schaute ich in die Kamera mit dem anderen versuchte ich einen Blick auf die Leuchtanzeige zuwerfen – wenn es jetzt klickt, wird unter unverwechselbaren Kennzeichen Schielen vermerkt werden, dann komme ich eh nirgendwo mehr hin. Erstaunt las dort aber: „Ihr Foto wird jetzt ent- wickelt - in fünf Minuten können Sie es draußen entnehmen.“ Ich ahnte Böses. Dann aber, völlig unerwartet, das freudige Ereignis: Die Bilder waren eine Wucht! Der Herr, der mich zuvor anmachte, holte mir den Bo- gen sogar aus dem Korb und wollte sich noch mal entschuldigen.

Wie immer Montag mittags besucht mich mein10-jähriger Sohn, die passende Gelegenheit mit seiner Hilfe, ein Foto aus dem Bogen zu schneiden. Versuchen Sie dies mal mit einer Hand! Sie werden schon sehen …! Zuversichtlich, konzentriert und mit vereinten Kräften gimgen wir die Aufgabe an. Aber scheinbar hatten wir unterschiedliche Vorstellungen, über das, was wir da machten. Die ersten drei waren ein Fall für die Müll- eimer. „Jetzt muss es klappen, Oskar! Los, lass mich mal ran!“ „Schon ganz gut, Papa.“ „Aber gerade ist das wirklich nicht. Komm, ich helfe Dir!“ Endlich waren alle Kanten gerade zugeschnitten. Aber jetzt passte es beinahe in einen herzförmigen Anhänger, in dem man das Foto seiner Liebsten an einer Halskette trägt. Na, dann nichts wie los. Vorher stecke ich noch die Verunglückten in meine Brieftasche, man konnte nie wissen! Ich wusste wirklich nichts.

Auf dem Einwohnermeldeamt ergattere ich sogar einen Parkplatz in der Tiefgarage. Niemand stand auf den beiden Behindertenparkplätzen. Der Tag schien doch unter einem guten Stern zu stehen und nicht der Stern auf den speziellen Plätzen. Am Empfangstresen gähnende Leere, ich konnte mir sogar die Dame aussuchen. „Guten Tag, ich benötige einen neuen Reisepass, der alte Pass ist abgelaufen.“ „Gut, ziehen Sie bitte eine Wartemarke, und warten Sie, bis Ihre Nummer …“ „Danke, ich weiß schon“ „Ach übrigens, ein biometrisches Foto haben Sie dabei? „Was für ein Foto?“ „Ein biometrisches Passfoto, was sonst?“

„Alles bio oder was? Hören Sie mal, ich will das Ding nicht essen, ich will verreisen! Außerdem  nehme ich täglich eine Unmenge an Tabletten. Da stellt sich nicht mehr die Frage nach Bio, es sei denn, man macht sich Gedanken um die Tierhaltung. Die Höhe meiner monatlichen Apanage lässt solche Gedanken aber nur sehr bedingt zu. Aber ich kann Sie beruhigen: Metrisch ist es bestimmt und nicht zöllisch, wir sind doch auf dem europäischen Festland – oder habe ich mich schon wieder verlaufen? Ihr Blick haftete noch an meinem roten Sticker. Wahrscheinlich denkt Sie: „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“ und ließ mich nonchalant ziehen. „Der wird schon sehen! …“

Recht hatte Sie. Schon bei der Musterung prophezeite man mir, als ich mich dem Soldatspielen und Tot- schießen nicht anschließen wollte: „Ihr Stahlhelm ist auch schon gepresst!“ Mochte sein.Doch übergestülpt bekommen habe ich nie! Ach die wilden 60er und 70er! Das waren noch Zeiten!

Diese ständige Bedrohung: „Angenommen, Sie liegen mit ihrer Freundin im Wald … sie wissen schon!“ „Was weiß ich schon? Ich bin nicht so versaut wie Sie!“ „Gut, ach was, ich meine natürlich nein!!! „Da springt plötzlich jedenfalls ein Russe mit einer Pistole aus dem Gebüsch und will …“ Damals schien noch alles denkbar, zumindest vorstellbar. Viele hatten wohl ein verletztes Hirn, so wie ich heute eines habe.  Dennoch dies war und bleibt absurd: „Sie haben aber eine geladene, schussbereite Maschinenpistole neben sich liegen, was machen Sie dann?“ „Na, was schon?“ „Ich gebe ihm Feuer für seine Zigarette und fertig ist die Laube.“ Nachdenken hinter dem Tapeziertisch mit der Fahne drüber. Dann ein gellendes Gebrüll: „Durchgefallen, abgelehnt. Wo kommen wir denn da hin?“ „Wenn alle in den Wald gehen? Das gibt Ärger mit den Tierschützern …

Grinsend lasse ich mich auf einem Stuhl nieder und starre auf die Anzeigetafel mit den Nummern. „Schon dran, das kann doch nicht war sein. Schalter 15. Verdammt, das ist ganz hinten am Ende der Halle.“ Ent- schlossen mache ich mich auf den Weg. So entsetzlich weit schien es nicht zu sein, nur dämliche Blumen- kübel versperrten mir den Weg. Das erste üppige Schlinggewächs verfing sich an meinem Arm, ich zog den Kübel schon fast hinter mir her. Verdammt, früher standen die Blumentöpfe noch auf den Fensterbänken, jetzt stehen sie mitten im Gang herum, riesig, grün, schon fast drohend. Eine Mutation, Tschernobyl oder nur weitere Warnzeichen der Klimaveränderung? Bei dem Versuch mich von der Schlingpflanze zu befreien, verlor ich wertvolle Sekunden. Aber niemand überrundete mich. Um die nächsten Barrikaden wand ich mich geschickter herum, es musste lustig ausgesehen haben, eine Dame lächelte mir mitleidig zu. Da, Schalter fünfzehn! Man warf mir bereits einen Blick zu. Ich wurde erwartet. Doch was war das!? Ich entdecke ein Schild im Arbeitsbereich der Dame: Es genügt völlig, wenn ich kompliziert bin! „Na, das kann ja schlimm werden, da treffen die beiden Richtigen aufeinander. Es kam schlimmer . Während ich von meinem Anliegen berichtete, schob ich den alten Pass und das neue Passbild über den Tisch. Sie belächelte freundlich das Bildchen und legt es in eine Schablone. Es fiel ohne Probleme durch. „Ein bisschen klein oder was?“ „Nein völlig biologisch!“ „Vielleicht, aber bestimmt nicht biometrisch! Ihre Augen sind nicht exakt auf der gleichen Höhe“ Am liebsten hätte ich geantwortet. „Ich weiß, ich habe zwei Augen, besonders rechts.“ Aber das Schild erinnerte mahnend saran, wer hier die Hosen anhatte. Außerdem war sie die ganze Zeit über höflich und freundlich, das will ich zugeben. „Also, was jetzt? Wann kann ich wiederkommen?“ „Sie brauchen nicht wiederzukommen. Vorne links neben dem Eingang gibt es einen Passbildautomaten“. Es war mir danach zu schreien: „Nein nicht schon wieder. Haben Sie Mitleid! Mercy!“ Ich beherrschte mich. „Ach übrigens, wenn Sie kein Kleingeld haben, an der Kasse können Sie wechseln.“ „Danke für den Hinweis,“ Sie hatte sich schon dem Rechner zugewandt: „Aber wenn das so weitergeht habe ich bald gar kein Geld mehr“ Bald werde ich zwar einen Reisepass haben, bestimmt aber nicht genügend Geld, ihn nützen zu können.“ Sie haute so emsig in die Tasten, dass sie meine Einwände nicht verstanden hatte oder aus Höflichkeit schwieg. Ich ver- mochte es nicht zu beurteilen. Vielleicht hatte sie auch nur einen Schlaganfall erlitten und einfach nur Pro- bleme mit der geteilten Aufmerksamkeit. „Sie können dann gleich wieder zu mir durchkommen“. Ich machte mich hoffnungsvoll auf den Weg, wechselte an der Kasse aus Erfahrung gleich für drei Sitzungen. Am Auto- maten angekommen, musste ich eine Weile warten. Schließlich schaute eine ältere Dame neugierig hinter dem Vorhang hervor. „Könen sie mir bitte helfen, ich komme nicht zurecht mit dem Ding!“ „Glauben Sie ich? Aber wir können es gerne gemeinsam versuchen.“ Geduldig erklärte ich Ihr die Prozedur. Drehte den Hocker auf die richtige Höhe, achtete darauf, dass sie die Augen nicht auf einer Seite trug - sondern biometrisch. Schon der erste Durchgang war ein Erfolg. Ermutigt kletterte ich nun hinein. Schon bald hielt auch ich meinen Bogen mit sechs Fotos in der Hand und begutachtete sie unter biometrischen Gesichtspunkten. Perfekt1 Aber wie sollte ich und womit nun ein Foto ausschneiden? Hilflos und suchend schaute ich mich um. Dann marschierte ich einfach zurück zum Schalter fünfzehn. „Werde die Komplizierte einfach um Hilfe bit- ten, sie hat bestimmt eine Schere.“ Ich legte den Bogen auf ihren Tisch, ließ mich halb erschöpft in den Stuhl fallen wollte gerade meine Bitte äußern, da hatte sie schon ein Einzelnes in der Hand. „Ich denke dies werden wir brauchen können, mal sehen, was der Computer dazu sagt. Auch er war einverstanden. Ich hätte aufspringen und seinen Bildschirm küssen können. Den Vordruck noch mal kontrollieren, Unterschrift fertig! Von wegen! „Bitte legen Sie den Zeigefinger der rechten Hand auf das Lesegerät.“ Ich weiß, welcher mein Ringfinger ist, sehen Sie, zur Sicherheit habe ich eine Markierung anbringen lassen.“ Sie lächelt verständ- nisvoll. „Und jetzt den Zeigezeh des rechten Fußes?“ „Nein, den brauchen wir noch nicht!“ „Warten Sie es ab, Sie werden es noch erleben! Aber wozu wollen Sie  meinem Fingerabdruck, bisher habe ich Sie noch nicht umgebracht, sonst auch niemanden,Ihren Kuli geklaut habe ich auch nicht!“  Geschickt überspielt sie meinen Einwand: „Jetzt nehmen wir den Zeigefinger der Linken.“ „Sie sagen es, wir nehmen! Ich bin halbseitig gelähmt und außerdem ist mein linker Arm im Moment spastisch, da müssen wir noch zwei Kol- leginnen zu Hilfe bitten.“ „Müssen wir nicht! Ich mache einfach ein Kreuz bei links ohne.“ Grinsend sehe ich schon die ersten Probleme bei der Passkontrolle, wenn man meine Hände zählt und überraschend zwei ermittelt, die auch noch biometrisch verteilt.

Der Reisepass - eines der letzten Abenteuer! Und das alles schon für 59,00 € zuzüglich 17,00 € für 36 Passbilder. Ein wahres Schnäppchen! Besser Arm ab, als arm dran? (Für mich stellt sich diese Frage nicht mehr! Entscheiden Sie selbst!)    
 Bert 09 03 15

 

 

Die Odyssee zweier Orientierungskanonen

Für immer vielleicht ...???
Carino  wir kommen!!!
... irgendwann heute. Um meine verbindliche Zusage hervorzuheben, fuhr ich exakt geplant und augenblicklich
vorzeitig umgesetzt, mit der U-Bahn aus Bonn nach Siegburg. Punkt 9:40 Uhr stellte ich meinen Cityshopper auf
die Rolltreppe und fuhr dem zügigen Treffpunkt entgegen. Es war doch arg schattig! So kramte ich die Worte
einer Psychologin aus der Schmerzklinik hervor, dass sich jede Person einmal am Tag etwas Gutes antun
sollte. Ich wollte – und wie!!! Nun ja, nimm doch2!
Während meine Geschmacksknospen, meinem dampfenden Kakao entgegenwitterten, tippte mir Nadine auf die Schulter. Ein ganzes Jahr sahen wir ausschließlich unsere lateinischen Buchstaben via E-Mail an Nadine
und RE für Anne – Kathrin, oder auch im sinnbildlichen Spiegelbild. Wir gönnten uns einen freund- schaftlichen Kakao, tauschten Freundschaftsgeschenke mit herzlichen Neuigkeiten, welche teilweise ja noch in den Mailsverankert – wohl gehütet im Rechner daheim (in Spanien oder Deutschland) steckten. Der wohlüberlegt, aus-gesuchte Zug samt Abfahrtszeit, fiel glatt aus unserem Gedächtnis! Sicher! – Einig, wie wir uns waren, nahmen wir den Nächsten von Siegburg zum Flughafen Köln Bonn – der samstags nicht fuhr, wir doch aber am Sonntag auf ihn warteten. Tja, da nutzte die Bahn die geringere Auslastung am Sonntag durch den fehlenden Berufsverkehr und ordnete die Bahngleise anders, um Gleisbauarbeiten auf der Strecke auszuführen – wie löblich einerseits für die Berufspendler, so dramatisch andererseits für uns Gehirngeschädigte!

Denn so hielt der Zug nicht an unserem Zielbahnhof „Flughafen“ sondern ließ uns erst in Köln auf dem nächst-besten durchlüfteten Bahnsteig aussteigen, wie ja immerhin hilfsbereiterweise via Durchsage während der Fahrt schon angekündigt. Nur leider unseren Redefluss nicht berücksichtigend!!! Gut, wie praktisch! Direkt gegenüber stiegen wir wieder in den nächsten anrauschenden Zug und ab, zum wiederholten Male mit Fahrtziel Flughafen, wo unser Leihwagen inzwischen seit mindestens einer Stunde vergebens auf uns wartete. Doch auch dieser Zug fuhr am Flughafen vorbei. Doch halt, wir kommen! Ja, ja, wir sind eben Mädchen ... Doch Carinos Nochfamilie wartete, während wir seit 10 Uhr mit dem Zug umherrauschten – hin und zurück, ohne wirklich weiter zu kommen, willig und hoch motiviert – freudig erregt, aber durch die Schwierigkeiten mit der geteilten Aufmerksamkeit, leider leicht unterdurchschnittlich belastungsfähig. Doch dies hat nur medizinische Ursachen.
Wie noch gerade noch am Telefon bestätigt, ist die Familie an der Umsetzung unseres Vorhabens sehr in-
teressiert, dass wir Carino abholen. Wir sind auch nicht zu feige, Hilfe in Anspruch zu nehmen. So gönnen wir uns ein Taxi, welches natürlich Abkürzungen fuhr und uns blonden Orientierungskanonen dafür 21,45 € abknöpfte. Mit frischem Wind in den blonden Haaren und Erfolgsaussichten im Gemüt erreichten wir gegen 12:30 Uhr endlich das Teiletappenziel unseres Verlangens: den Flughafen. Hier wurde unser reservierter Leihwagen seit 2 ½ Stunden zurückgehalten – wie wir inständig hofften! Der Aufzug war gerufen, doch unsere Hilfe auch.
 Und so überließen wir den freien Platz, der guten Tat des Tages, anderen Bedürftigen. Erklärten derweil
liebenswürdig einer Dame, wie sie sich zurechtfindet, und wissen dabei selbst nicht genau, wohin mit uns.
Doch wir erlangten unser Auto!!! Einen Smart, der vorzüglich in einem Zug die Fahrbahnseite wechselt, wie
mehrmalig getestet. So folgten wir willig den Angaben der Routenbeschreibung, die sich Nadine vom Rechner hatte ausdrucken lassen, bis sie uns mit ihren klaren Ansagen völlig verwirrte. Schon auf Speyers Straßen bemerkten wir, wir hatten uns völlig verfahren. Koblenz musste weiter nördlich liegen. Dann entdeckte ich auch schon mein Navi in der Tasche, wir waren gerettet! Glücklich schaltete ich dann nach insgesamt über 5stündigender Deutschlandfahrt das Navi aus, ohne das wir nur blind wie blond umhergeirrt waren.

Überglücklich fanden wir schließlich doch Carino und er damit seine neue „Mama“! Mit warmherzigen Gefühlen, entzückten Blicken und selig befriedigten Bedürfnissen, schwebte Nadine sehr beglückt heim.

 Die Endorphine waren unsere Schutzengel, die unserer Müdigkeit, dem zunehmenden Kräfteverfall trotzten,
die uns sicher zurückführten und dem kleinen Wollknäuel eine sichere Nacht in „Mamas“ seligem Arm be
scherten.

aKG 09 02 08

      

09 02 08 Nadine Z 1 09 02 08 aKG 1

Die beiden Orientierungswunder und Carino , dem Anlass für die Odyssee

                     Rhein in Flammen oder Orientierungswunder Take 2

Das Feuerwerk sollte unsere erste gemeinsame Unternehmung von Lebig werden. Der Termin direkt nach dem 1. Mai lag nicht gerade günstig. Doch waren wir die Ausrichter des Feuerwerks?

Obwohl ich mal selbst Bonn wohnte, hatte ich dieses Feuerwerk noch nie gesehen. Sehr zeitig machte ich mich mit dem Zug auf den Weg nach Bonn. Bereits  die Bahnfahrt ließ erahnen, was uns erwartete. Nicht gerade selten pendle ich mit dem Zug zwischen Köln und Bonn. Doch so voll sah ich den Bahnsteig bisher nicht. Vor allem Jungen und Mädchen – alle deutlich unter zwanzig - warteten auf den Zug nach Bonn. Etwa auf jedes Pärchen kam ein Kasten Bier, mal voller mal leerer. Für mich war es ein Hindernisparcours zwischen Bierkästen, Glasscherben und Leuten, die bereits berauscht noch unsicherer auf den Beinen waren als ich. Eine unangenehme Erinnerung an Karneval wurde wach. Das Einsteigen war für die meisten ein größeres Problem als für mich. An einen Sitzplatz war nicht zu denken, viele Angetrunkene hatten ihn nötiger als ich. Zudem war mir der Weg zwischen den leeren umherrollenden und beharrlich stürzenden halb vollen Flaschen zu mühsam und zu gefährlich. Da konzentrierte ich mich lieber auf die beiden blassen, würgenden jungen Kerle neben mir. Selten war ich so glücklich, Bonn erreicht zu haben. Der Weg zum Treffpunkt an der Rolltreppe zur U-Bahn erwies sich als unproblematisch – ich musste keinen Bierkasten schleppen. Die Fahrt mit der U-Bahn zur Rheinaue war der Fahrt mit der DB sehr ähnlich. Nun mussten wir drei uns nur noch ein paar Hundert Meter über eine Art Jahr-markt bis zu einem geeigneten Aussichtspunkt schleppen. Nicht einfach, denn es kamen uns genau so viele Menschen entgegen, wie in unsere Richtung marschierten. Hätte ich mich nicht bei Anne-Kathrin oder Daniel unterhaken können, ich wäre mehr auf dem Boden gelegen als gestanden oder gegangen. Als wir einen geeigneten Platz auf einer Wiese fanden, waren es noch gut drei Stunden bis zum Spektakel. Die untergehende Sonne warf ihre letzten wärmenden Strahlen auf uns und den Kirmesplatz weit unter uns, dessen Lichter in der bereits hereinbrechenden Dunkelheit funkelten. Keine Wolke am Himmel, kein Regen war zu erwarten statt dessen aber eine ausgezeichnete Sicht auf das Erwartete. Meine Knie und Hüfte schmerzten, also streckten wir uns für kurze Zeit auf der um diese Jahreszeit noch zu feuchten Wiese aus, schauten durch die blühenden Kastanien in den Himmel. Nachdem mir 27 Leute auf mein lädiertes Bein getreten hatten und die Hose ausreichend Feuchtigkeit aufgesaugt hatte, zogen wir es doch vor, wieder zu stehen. War die Wiese vorhin nur spärlich bevölkert, war nun kein Grashalm zwischen Bierkästen, Kühlboxen und Decken mehr auszumachen. Immer noch strömten neue Scharen herbei. Eine von uns, eines unserer entzückenden Orientierungswunder, wollte sich für ein paar Minuten die Beine vertreten. „Bin gleich wieder da!“ damit verschwand sie, nicht bis gleich aber für den Rest des Abends. Nach reichlich einer halben Stunde sorgten sich Daniel und ich doch arg um den Ausreißer. Auch ein Gesunder hätte in dem Durcheinander von Menschen, Bier- und Wurstbuden seine Probleme gehabt, sich zurechtzufinden. Aber wozu haben wir Handys. Meines weigerte sich beharrlich den gewünschten Ruf abzusetzen, Daniel hatte das gleiche Problem. Auch die Versuche 25, 26, 27, … fruchteten
nicht. Das Netz war ausgefallen! Waren wir eben noch die Ersten hatten sich inzwischen mindestens fünf weitere unruhige, lärmende, Reihen hinter uns aufgebaut. Nur das Riesenrad weit unter uns schien unverrückbar. Was tun? Guter Rat war teuer. Die Handys funktionierten immer noch nicht. Anne suchen? Sinnlos in diesem Gewühl und Durcheinander, zumal es für mich, selbst in Daniels Arm der Horror gewesen wäre. Außerdem sollte Anne-Kathrin unsere Stelle wiederfinden, was freilich nur zu erhoffen war, träfe sie uns nicht an. Sollte Daniel alleine losziehen, würde er mich wiederfinden? Die Situation spitzte sich zu, als ein Krankenwagen mit Blaulicht sich den Weg durch die Menge bahnte. Wir malten uns das Schlimmste aus. Doch schon kam der Wagen zurück. Wahrscheinlich hatte er nur einen restlos Betrunkenen eingeladen. Daniel und ich beschlossen, unseren Standort nicht zu verlassen und auf ein Wunder zu hoffen. Endlich ging los. Doch nicht nur am Himmel blitzte es, auch die Frequenz der Krankenwagen nahm dramatisch zu. Wir starten mehr auf die vorbeieilenden Wagen als auf das Spektakel am Nachthimmel. Verpasst haben wir nichts, denn es war jedes andere Feuerwerk auch, wenn auch vielleicht lauter, bestimmt aber länger. Die Handys schwiegen noch immer. Jetzt setzte sich die Menge in wallende Bewegung Richtung der Ausgänge. Niemand hätte gegen diesen Strom angekonnt oder auch nur stehen bleiben können. Es wäre vermessen gewesen, weiter auf das Wunder zu hoffen, Anne zu finden. So tauchten wir in den Schwarm ein und erreichten schließlich die Bushaltestelle. Das gleiche Gedränge: Eine Doppeltür des Gelenkbusses öffnete sich nur zur Hälfte, die andere war durch eine leere Schnapsflasche verklemmt. So versuchten sich die Menschen in Fünferreihen durch einen schmalen Spalt zu zwängen und ich mitten drin. Meine Sorge war nicht, in den Bus zu kommen, sondern nicht umgestoßen zu werden. Aber Daniel stützte mich zuverlässig, wehrte die Drängelnden ab. Im Bus gab es natürlich keinen freien Sitzplatz mehr, einen  für Schwerbehinderte war nicht in Reichweite auszumachen. Dann ging es auch schon los. Der Fahrer wollte wohl einen neuen Rekord für die Fahrt zwischen Rheinaue und Hauptbahnhof aufstellen. Abwechselnd bremste er verhältnismäßig heftig oder beschleunigte in gleicher Weise. Es war nicht gerade dass, was man einen harmo- nischen, vorausschauenden Fahrstil nennen konnte. War dem Fahrer  entgangen, es standen mehr Fahrgäste als saßen? Dann bogen wir auf die Kaiserstraße ein, diese ist mit Kölner Kissen (Bremsschwellen) versehen, um die Fahrer zu einem mäßigen Tempo zu zwingen. Dies ignorierte der Fahrer aber. – Er hatte auch einen Sitzplatz. Dann krachte es deutlich auf der Beifahrerseite. Etwas flog durch die Luft und donnerte gegen eine der Seitenscheibe. Der Bus fuhr bedrohlich nahe an geparkten Fahrzeugen vorbei. Er musste wohl eines tuschiert haben. Den Fahrer schien dies wenig zu interessieren, er donnerte weiter.

Schließlich erreichen wir den Bahnhof ohne weitere Zwischenfälle. Die Achterbahnfahrt war beendet. Ich ließ mich erleichtert auf eine Bank fallen und bestaunte die meterlange Schramme an der Seite des Gelenkbusses und rauchte. Zum ersten Mal seit fast 8 Stunden konnte ich sitzen. Irgendwann versuchte ich Anne-Kathrin noch mal anzurufen, aus Sorge wollte ich einfach nichts unversucht lassen. Der Ruf wurde abgesetzt, eine Männerstimme meldete sich. Ich erschrak. Ist sie im Krankenhaus gelandet? Was ist passiert? Aber es war Thomas: Nein Anne-Kathrin ist zu Hau-se angekommen. Sie hat Euch verloren, sich verlaufen, hat vergeblich versucht, Euch anzurufen und ist dann nach Hause gegangen. Jetzt liegt sie aber im Bett und schläft fest. Erleichtert nahm nun ich Daniel in den Arm und beruhigte ihn.

Die restliche Strecke zum Gleis 1 verlief ohne Zwischenfälle genau wie meine Rückfahrt nach Köln. Es gab sogar freie Sitzplätze zur Auswahl. Ich war hundsmüde, erschöpft. Mein Handy aber hellwach. Ich erhielt ständig neue Nachrichten. Anne-Kathrin hatte vergeblich versucht, mich anzurufen. Anderen erging es ähnlich.

Dieser ganze Abend war ein einziges Feuerwerk gewesen.

09 05 02 aKG 7

Jetzt mit etwas Distanz denke ich auf dem Zurückliegenden herum:

Et hätt noch ens jot jejange.

Auf der einen Seite war es trotz aller überstandener Probleme ein überwältigendes Erlebnis. Wie lange habe ich schon nicht mehr erlebt, dass ich mich, zudem auf noch fast fremde Menschen, verlassen konnte. Daniel hatte ich zuvor nur einmal  kurz auf unserer kleinen Eröffnungsfeier gesehen. Toll wie er sich für mich einsetzte. Scheinbar ist die erträumte Gemeinsamkeit doch zu erreichen und nicht nur eine trügerische Illusion!

Auf der anderen Seite zeigt sich deutlich unsere Abhängigkeit von technischen Einrichtungen. Wäre das Handynetz nicht ausgefallen, wir hätten uns nach der ersten Aufregung auch im dichtesten Gedränge wiedergefunden.

Teilhabe ist zwar im SGB IX verankert, muss dennoch persönlich erkämpft werden.

Bei den nächsten gemeinsamen Unternehmungen sollte sich niemand mehr von der Gruppe entfernen. Auch hier gilt: Gemeinsam sind wir stärker!

Persönlich: Sollte ich mir solche Strapazen weiterhin zumuten? Ja! Am Sonntag schmerzten meine Gelenke noch ziemlich, aber das war es dann  auch. Die Freude am Gemeinschaftserlebnis ist gewichtiger.

Bert  09 05 10